Female Body

Aufrechterhaltung einer gesunden Vulva und Vagina

Maintaining a Healthy Vulva and Vagina

Wenn wir an Gesundheitsvorsorge denken, kommen uns oft Ernährung und Bewegung in den Sinn. Doch unsere Gesundheit wird von vielen Faktoren beeinflusst – dazu gehört auch das Wissen über den Zustand unseres Intimbereichs und die Bedingungen, die zu seiner hygienischen und gesunden Pflege beitragen.

Dieses Wissen ist nicht nur für deine reproduktive Gesundheit von Bedeutung, sondern auch für ein erfülltes, selbstbewusstes und sicheres Erleben von Intimität. Indem du erkennst, wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist, kannst du möglichen gesundheitlichen Risiken vorbeugen.

Was ist die Vulva?

Zunächst möchten wir klären, wo die Vulva endet und die Vagina beginnt. Die Vulva bezeichnet den äußeren Bereich der weiblichen Geschlechtsorgane. Dazu gehören unter anderem die äußeren und inneren Labien. „Labia“ ist das lateinische Wort für „Lippen“. Die äußeren, oft von Haaren bedeckten Vulvalippen werden als Labia majora bezeichnet, während die inneren als Labia minora bekannt sind [4].

Die Vulva umfasst zudem den Bereich über dem Schambein, die Öffnungen der Vagina und der Harnröhre (auch als Urethra bezeichnet) sowie den äußeren sichtbaren Teil der Klitoris [4].

Die Klitoris ist trotz ihrer kleinen Größe und ihres unauffälligen Aussehens Teil eines komplexen Netzwerks aus Schwellkörpern und Nerven, die tiefer in die Beckenhöhle hineinreichen [5].

 

Was ist die Vagina?

Die Vagina (Scheide) ist ein muskulärer Kanal, der an der Öffnung der inneren Labien beginnt und an der Zervix, dem Eingang zur Gebärmutter, endet [4].

 

Hygiene: Wie man sich im Intimbereich wäscht und was man bei der Intimpflege vermeiden sollte

Wasche den Intimbereich vorsichtig mit warmem Wasser und einer milden Seife. Trockne ihn gründlich mit einem sauberen Handtuch ab. Glücklicherweise verfügt die Scheide über einen natürlichen Selbstreinigungsmechanismus, den Scheidenausfluss. Dieser Ausfluss enthält abgestorbene Zellen und Bakterien [6].

Der Scheidenausfluss verändert sich mit dem Menstruationszyklus, einer Schwangerschaft, der Menopause und anderen Faktoren. Bei der Beurteilung der Frage, ob es sich um einen normalen Ausfluss oder einen durch eine Infektion oder andere Ursachen bedingten anormalen Ausfluss handelt, müssen die Farbe, der Geruch, die Konsistenz sowie weitere Symptome berücksichtigt werden [6].

Außer wenn ärztlich empfohlen, sollten Scheidenspülungen vermieden werden, da sie das Risiko einer bakteriellen Dysbiose (Ungleichgewichts) und einer Infektion erhöhen. Intimsprays und -deos sollten ebenfalls vermieden werden, da sie zu Reizungen im Vulva- und Vaginalbereich führen können [4].

 

Wäschepflege und Kleidung

Hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen deiner Kleidung und der Gesundheit deines Intimbereichs gilt, dass saubere, locker sitzende Baumwollkleidung und milde Waschmittel das Mittel der Wahl sind. Vermeide Tangas und andere Unterwäsche aus Kunstfasern, falls du anfällig für Hautreizungen oder -infektionen bist [4].


Zudem empfiehlt es sich, die Unterwäsche nach dem Waschen mit Wasser zu spülen und weniger Waschmittel zu verwenden. Außerdem kannst du ein milderes Waschmittel ausprobieren und auf Weichspüler verzichten. Waschmittel mit den Enzymen Amylase, Lipase, Protease und Cellulase solltest du nach Möglichkeit vermeiden [4].


Des Weiteren ist es ratsam, keine Nylonstrumpfhosen zu tragen, da diese Feuchtigkeit binden. Wenn du Nylonstrumpfhosen trägst, solltest du darunter Unterwäsche aus Baumwolle anziehen. Denke zudem daran, nasse Badeanzüge oder verschwitzte Kleidung so bald wie möglich auszuziehen [2, 4].

 

Hygieneprodukte

Es ist im Allgemeinen eine gute Idee, desodorierte Produkte wie parfümierte Tampons und Binden, Bade- und andere Öle sowie Puder und Talkum zu vermeiden. Tampons sind für den Intimbereich oft weniger reizend als Binden. Denke jedoch daran, sie regelmäßig zu wechseln und nicht über Nacht zu tragen, um das Risiko eines toxischen Schocksyndroms zu vermeiden [4].

 

Sex 

Das Wichtigste ist, auf Hygiene und Sicherheit zu achten. Barrieremethoden mit Spermiziden wie Kondome und Diaphragmen können die Scheide reizen [4], sind jedoch zum Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen wichtig.


Versuche, mit deinem Partner oder deiner Partnerin ein ehrliches Gespräch über eure Infektionsgeschichten zu führen, und teile ihm/ihr mit, wenn du herausfindest, dass du eine Infektion hast. Achte außerdem darauf, Sexspielzeuge nach jedem Gebrauch zu reinigen [4].


Es ist wichtig, zu beachten, dass es durch eine Verletzung oder gewaltsamen Sex zu einem Trauma der Scheide kommen kann. Die Anwendung von Gleitmitteln auf Wasser- oder Silikonbasis vor dem Sex kann die Penetration insbesondere beim ersten Mal angenehmer und lustvoller machen [2].


Wenn du während des Geschlechtsverkehrs Kondome verwendest, solltest du beim Übergang von einem Penetrationsbereich zum anderen unbedingt ein neues Kondom benutzen. Zum Beispiel, wenn du zwischen oralem, analem und vaginalem Sex wechselst.


Und, falls du es nicht schon gewohnheitsmäßig tust, solltest du darauf achten, dass du zur Vermeidung einer Harnwegsinfektion nach dem Sex urinierst. Es ist eine einfache Angewohnheit, die zukünftige Beschwerden und Komplikationen verhindern kann.

 

Ernährung und Alkohol

Die wichtigsten Faktoren, die du beachten solltest, sind Diabetes, Alkohol und Nikotin. Diabetes kann dich für eine Scheideninfektion prädisponieren [1]. Falls du bereits Diabetes hast, solltest du dich in ärztliche Behandlung begeben, um deinen Diabetes unter Kontrolle zu bringen. Falls du noch keinen Diabetes hast, solltest du zur Prävention auf eine ausgewogene Ernährung achten.


Die durch Alkohol und Tabakwaren verursachten Leber- und Lungenprobleme sind hinlänglich bekannt. Ein weiterer Grund, auf diese Genussmittel zu verzichten, ist, dass sie die Sexualfunktion und die sexuelle Erregung beeinträchtigen können [3].

 

Körperliche Bewegung

Falls du noch nicht von den Kegel-Übungen gehört hast, ist es jetzt an der Zeit, mit diesen Übungen zu beginnen. Die Kegel-Übungen trainieren deine Beckenbodenmuskulatur [3]. Sie können problemlos überall und jederzeit durchgeführt werden und sind wichtig zur Vorbeugung von Inkontinenz und eines Vorfalls der Beckenorgane (Prolaps).


Da die vaginale Entbindung die Scheide dehnt und die Beckenbodenmuskulatur schwächt, sind die Kegel-Übungen besonders wichtig für Frauen, die eine Geburt hinter sich haben oder planen [7]. 

 

Gynäkologische Untersuchung

Wie man so schön sagt, ist Prävention die beste Medizin. Und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durch eine(n) Frauenärztin/-arzt sind eines der besten Mittel zur Vorbeugung von Erkrankungen. Der/die Frauenarzt/-ärztin wird deinen Scheidenkanal mit Hilfe eines Spekulums oder anderen Instruments öffnen und auf Anomalien hin untersuchen.


Zudem wird er/sie möglicherweise einen Pap-Abstrich zur Untersuchung auf Gebärmutterhalskrebs durchführen. Hierbei handelt es sich um einen schnellen, einfachen und potenziell lebensrettenden Test, der in empfohlenen Zeitabständen durchgeführt werden sollte. Die meisten Gesundheitsorganisationen empfehlen, mit 21 Jahren zu beginnen und den Test dann alle drei Jahre wiederholen zu lassen [8].


Ein weiterer Aspekt, den du bei deinem Arztbesuch berücksichtigen solltest, ist die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Der HPV-Impfstoff schützt vor bestimmten Arten von durch das humane Papillomvirus verursachten Genitalwarzen. Der Hepatitis-B-Impfstoff schützt vor dem Hepatitis-B-Virus, das sich durch sexuellen Kontakt ausbreitet und eine schwere Leberinfektion verursachen kann [3].


Sprich zudem mit deinem/deiner Arzt/Ärztin darüber, welche Verhütungsmethoden für dich am besten geeignet sind und welche Medikamente du anwendest. Da einige Medikamente die Wahrscheinlichkeit einer Scheideninfektionen erhöhen, solltest du deine(n) Ärztin/Arzt fragen, wie du Infektionen verhindern oder behandeln kannst [3].


Falls du vermutest, dass dein Scheidenausfluss nicht normal ist, solltest du dies deinem/deiner Arzt/Ärztin gegenüber erwähnen. Viele Frauen leiden an Infektionen und einem übelriechenden oder seltsam aussehenden Ausfluss. Es gibt also keinen Grund, sich durch Schamgefühle von einem Arztbesuch abhalten zu lassen.

 

Psychische Gesundheit

Obwohl es nicht häufig im Zusammenhang mit der Gesundheit des Intimbereichs erwähnt wird, ist die psychische Gesundheit wichtig für ein intaktes Sexualleben. Angstgefühle, Depressionen und andere psychische Erkrankungen können die sexuelle Erregung und Lust beeinträchtigen. Sprich mit deinem/deiner Arzt/Ärztin über mögliche Behandlungsmethoden, falls du beim Geschlechtsverkehr unter traumatisch bedingten Schmerzen leidest [3].

 

Schwangerschaft, Geburt und Menopause

 

Von einer Zunahme des Scheidenausflusses bis hin zu einem Scheidenriss oder einem als Episiotomie bezeichneten Dammschnitt: Eine Schwangerschaft und Geburt können eine intensive Erfahrung für dich und deine Scheide sein [3]. Durch die vaginale Entbindung kann es zu einem schwächeren Muskeltonus in der Scheide und den Beckenbodenmuskeln und folglich zu einem Prolaps kommen.


Wenn du also vermutest, schwanger zu sein, oder eine Schwangerschaft planst, solltest du einen Termin mit deinem/deiner Frauenarzt/-ärztin vereinbaren, um sicherzustellen, dass du hinsichtlich des Wachstums und der Geburt eines Babys gesundheitlich fit bist. Besprich zudem mit deinem/deiner Arzt/Ärztin alle Medikamente, die du anwendest.


Wenn du jenseits dieses Lebensabschnitts die Menopause erreicht hast, können hormonelle Veränderung Auswirkungen auf deine vaginale Gesundheit haben. Durch die Abnahme des Hormons Östrogen kann deine Scheidenschleimhaut dünner werden (vaginale Atrophie), wodurch der Geschlechtsverkehr schmerzhaft sein kann [3]. Verwende ein Gleitmittel, um ein Wundscheuern, Reizungen und Risse der Schleimhaut zu verhindern [4].


Zyklus-Tracking

Wie bereits erwähnt, ändert sich der Scheidenausfluss mit dem Menstruationszyklus. Er ist normalerweise weiß und zäh, kann jedoch im trockenen Zustand eine gelbliche Farbe haben. Während des Eisprungs wird er üblicherweise transparent und weist eine eiweißartige Konsistenz auf [2].


Egal, ob du schwanger werden oder einfach nur den Überblick über deinen Zyklus behalten möchtest, mit einer App oder einem Hormonmessgerät wie dem Minilab von inne kannst du deinen Eisprung anhand von Speichelproben präzise verfolgen.

 

Was du bei Anzeichen einer Erkrankung oder Infektion tun solltest

Egal ob du Schmerzen, Juckreiz, einen verdächtigen Ausfluss oder Anzeichen eines Prolapses hast, es ist stets ratsam, ärztliche Hilfe aufzusuchen. Zudem ist es generell empfehlenswert, auf im Internet erhältliche Hausmittel zu verzichten. Während einige dieser Mittel einfach nur wirkungslos sind und eine ordnungsgemäße Diagnose und Behandlung verzögern, können andere geradezu gefährlich sein.

 

Fazit

Auch wenn du möglicherweise eher auf die Gesundheit des restlichen Körpers fokussiert bist, solltest du deinen Intimbereich nicht vernachlässigen. Nur wenige einfache Gewohnheiten können dich vor schlechtem Sex, lästigen Hefeinfektionen und sogar bösartigen Krebserkrankungen bewahren.

 

 

References:

  1. Bishop GB. Vaginal Discharge. In: Walker HK, Hall WD, Hurst JW, editors. Clinical Methods: The History, Physical, and Laboratory Examinations. 3rd edition. Boston: Butterworths; 1990. Chapter 172. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK281/
  2. Maintaining Vaginal Health. (2019) Cornell University. https://health.cornell.edu/sites/health/files/pdf-library/Maintaining-Vaginal-Health.pdf  (Accessed 1/23/23)
  3. Vagina: What’s typical, what’s not. (2022, December 6). Mayo Clinic https://www.mayoclinic.org/healthy-lifestyle/womens-health/in-depth/vagina/art-20046562  (Accessed 1/23/23)
  4. Vulvar Care.(2018, March 23). Cleveland Clinic. https://my.clevelandclinic.org/health/articles/4976-vulvar-care (Accessed 1/23/23)
  5. Clitoris. (2022, April 25). Cleveland Clinic. https://my.clevelandclinic.org/health/body/22823-clitoris (Accessed 2/2/23)
  6. Vaginal Discharge. (2022, July 22). Cleveland Clinic. https://my.clevelandclinic.org/health/symptoms/4719-vaginal-discharge (Accessed 1/23/23)
  7. Kegel Exercises. (2023, February 1). Cleveland Clinic. https://my.clevelandclinic.org/health/articles/14611-kegel-exercises (Accessed 2/2/23)
  8. Cervical Cancer Screening. (2022, October 13). National Cancer Institute. https://www.cancer.gov/types/cervical/screening (Accessed 2/2/23)

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