Was ist Speichel und welche Funktionen hat er?
Speichel ist eine Körperflüssigkeit, die in deinem Mund produziert wird und viele wichtige Aufgaben erfüllt: Er befeuchtet die Nahrung, damit sie leichter zu kauen und zu schlucken ist, schützt die Mundschleimhaut, leitet die erste Verdauung von Nahrung ein und hilft dabei, den Körper gegen Viren und Bakterien zu verteidigen (1).
Der Großteil des Speichels wird von drei großen Speicheldrüsen-Paaren produziert, den Ohrspeicheldrüsen (Glandula parotis), den Unterkiefer- und den Unterzungendrüsen, mit einem kleineren Beitrag durch viele kleine Drüsen in der Mundschleimhaut (2).
Der Speichel aus diesen Drüsen unterscheidet sich leicht in der Zusammensetzung von Salz- und Proteingehalt.
Insgesamt besteht Speichel hauptsächlich aus Wasser und Ionen, enthält aber auch kleine Mengen wichtiger organischer Verbindungen, wie Glukose, Aminosäuren, Steroidhormone, Lipide und organische Säuren wie Laktat und Harnsäure (1) – sowie größere Moleküle wie Proteine und Polypeptide. Gerade diese Proteine sind für viele der Funktionen des Speichels verantwortlich.
Was viele überrascht: Auch wenn Hormone üblicherweise im Blut gemessen werden (darunter Steroid-, Peptid- oder Proteinhormone), können sie auch im Speichel nachgewiesen werden.
Warum ist Speichel so interessant für Analysen?
Speichel eignet sich hervorragend für Selbsttests zu Hause, vor allem, wenn regelmäßig Proben genommen werden (4), zum Beispiel bei täglichen Tests oder wenn mehrere Messungen an einem Tag nötig sind.
Die Probeentnahme ist einfach, nicht invasiv und belastet den Körper kaum (5) ganz ohne Piksen oder ärztliche Hilfe (4).
Genau deshalb eignet sich Speichel ideal zur Beobachtung von Veränderungen über einen längeren Zeitraum, also beispielsweise genau dann, wenn man seinen Menstruationszyklus besser verstehen möchte (6–12).
Natürlich gilt: Nicht alle Stoffe, die man im Blut messen kann, lassen sich auch zuverlässig im Speichel nachweisen. In manchen Fällen sind die Konzentrationen im Speichel zu gering oder die Werte weniger stabil (1, 4).
Kann man Sexualhormone wirklich im Speichel messen?
Ja, das kann man!
Besonders interessant ist die Messung von Steroidhormonen, dazu gehören Progesteron, Estradiol, aber auch andere Steroidhormone wie Cortisol (1).
Die Analyse dieser Hormone im Speichel wird schon seit Ende der 1970er Jahre in der Forschung und klinischen Praxis eingesetzt (7).
Spannend daran: Im Speichel lassen sich die sogenannten „freien“ – also aktiven – Hormone messen. Im Blut sind viele Steroidhormone an Proteine gebunden, was sie inaktiv macht. Nur der freie Anteil kann tatsächlich in die Zellen gelangen und dort wirken.
Speicheltests, die ausschließlich die freien Hormone erfassen, spiegeln also genau den aktiven Hormonstatus im Körper wider (4, 12).
Ein weiterer Vorteil: Steroidhormone sind fettlöslich (nicht polar) und gelangen über einen passiven Mechanismus in den Speichel, unabhängig davon, wie viel Speichel produziert wird (2). Ihre Konzentration bleibt also im Verhältnis zum Blut konstant, auch wenn mehr oder weniger Speichel produziert wird.
Mit der Entwicklung neuer Technologien haben Speicheltests seit den 1990er Jahren eine hohe Zuverlässigkeit erreicht, mit stabilen Ergebnissen zwischen verschiedenen Laboren und einer starken Übereinstimmung mit Referenzmethoden (7). Das macht sie zu einer echten Alternative zu Blutuntersuchungen.
Spiegelt der Hormonspiegel im Speichel den Menstruationszyklus wider?
Ja – das tut er!
Wie bereits erwähnt, lassen sich nicht alle Parameter im Speichel messen, aber Sexualhormone liefern ein sehr genaues Bild des körperlichen Zustands.
So zeigen wissenschaftliche Studien, dass der Verlauf von Progesteron im Speichel, dem Hormon, das vom inne Minilab gemessen wird, einen klaren Anstieg zum Beginn der Lutealphase aufweist, gefolgt von einem breiten, stabilen Plateau (13, 14). Dieser Verlauf entspricht dem, was man auch im Blutplasma beobachtet (8).
Die Bestimmung des Eisprungs über den Anstieg von Progesteron im Speichel ist eine etablierte Methode (10, 11, 13). Die Kurve des Speichel-Progesterons gilt als klinisch anerkannter Marker für die Lutealphase.
Und genau das macht das inne Minilab: Es misst deinen Progesteronverlauf im Speichel über den Zyklus hinweg, erkennt so die Lutealphase und bestätigt, dass ein Eisprung stattgefunden hat.
References
1. Silvia Chiappin, Giorgia Antonelli, Rosalba Gatti, Elio F. De Palo, Saliva specimen: A new laboratory tool for diagnostic and basic investigation, Clinica Chimica Acta, 2007, 383, pp 30–40
2. Vining RF, McGinley RA, Symons RG, Hormones in saliva: mode of entry and consequent implications for clinical interpretation. Clin. Chem., 1983, 29, 1752–1756
3. Van Nieuw Amerongen AV, Veerman ECI, Saliva the defender of the oral cavity. Oral Dis 2002;8:12–22.
4. Lindsay F. Hofman, Human Saliva as a Diagnostic Specimen, May 2001, 1,131(5),1621S-5S.
5. Lac G, Saliva assays in clinical and research biology, 2001, Pathol Biol, 49(8), 660–667.
6. Metcalf MG, Evans JJ, Mackenzie JA., Indices of ovulation: comparison of plasma and salivary levels of progesterone with urinary pregnanediol, Jan 1984, J Endocrinol., 100(1), 75-80.
7. Ellison PT.,Ann N, Salivary steroids and natural variation in human ovarian function, Feb 1994, Y Acad Sci., 18, 709:287-98.
8. Celec P, Ostaniková D, Skoknová M, Hodosy J, Putz Z, Kúdela M., Salivary sex hormones during the menstrual cycle., Feb 2009, Endocr J., 56(3), 521-3.
9. Lu YC, Chatterton RT Jr, Vogelsong KM, May LK., Direct radioimmunoassay of progesterone in saliva, May 1997, J Immunoassay,18(2), 149-63.
10. Finn MM, Gosling JP, Tallon DF, Baynes S, Meehan FP, Fottrell PF., The frequency of salivary progesterone sampling and the diagnosis of luteal phase insufficiency. Jun 1992, Gynecol Endocrinol., 6(2), 127-34.
11. Lipson SF, Ellison PT., Normative study of age variation in salivary progesterone profiles., Apr 1992, J Biosoc Sci., 24(2), 233-44.
12. Read G, Hormones in saliva, Human Saliva (1989), 11147, 147-176.
13. Gann PH, Giovanazzi S, Van Horn L, Branning A, Chatterton RT Jr., Saliva as a medium for investigating intra- and interindividual differences in sex hormone levels in premenopausal women, Jan 2001, Cancer Epidemiol Biomarkers Prev,10(1), 59-64.
14. Lu Y, Bentley GR, Gann PH, Hodges KR, Chatterton RT., Salivary estradiol and progesterone levels in conception and non conception cycles in women: evaluation of a new assay for salivary estradiol, May 1999, Fertil Steril., 71(5), 863-8